FAQ: Häufige Fragen zu NAV-Tarifen

Direkte Antworten auf häufige Fragen und Missverständnisse rund um NAV-Tarife.

Kernaussagen

  • NAV ist eine Vergütungs- und Kostenstruktur mit Anreizwirkung, keine pauschale Bewertung.
  • Kein Vergütungsmodell ist konfliktfrei — auch NAV nicht.
Was bedeutet Nettoinventarwert in der Versicherung?
Nettoinventarwert ist die deutsche Übersetzung von Net Asset Value (NAV). Bei fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen bezeichnet er das aktuelle Vertragsvermögen — also den Wert der im Vertrag angesparten und investierten Mittel. Bei einem NAV-basierten Tarif dient dieser Nettoinventarwert als Basis für die laufende Vergütung des Vermittlers. Der Versicherer zahlt die NAV-Vergütung als Provision aus seinen laufenden Kosten an den Vermittler.
Gilt NAV auch für Sachversicherungen?
Nein. NAV setzt ein wachsendes Vertragsvermögen voraus, das nur bei kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen existiert. Sachversicherungen (Haftpflicht, Hausrat, KFZ) haben keinen Sparanteil. Dort bleibt die Frage „Brutto oder Netto?“ die einzig relevante Kostenachse.
Ist ein NAV-Tarif „besser“ als Netto?
Nein — „besser“ ist die falsche Frage. NAV und Netto beschreiben unterschiedliche Dimensionen: Netto regelt, ob Abschlusskosten einkalkuliert sind oder nicht. NAV regelt, wann und wie die Vergütung anfällt (laufend am Vermögen vs. anfangsbelastet). Ob NAV im Einzelfall günstiger ausfällt, hängt von Haltedauer, Gebührenhöhe und tatsächlichem Service ab.
Warum kennen viele Vermittler:innen NAV nicht?
Weil die Debatte seit Jahrzehnten nur entlang „Provision vs. Honorar“ geführt wird. Im Sachgeschäft reicht das auch. Aber im Lebengeschäft kommt mit dem Vertragsvermögen eine dritte Dimension hinzu: die zeitliche Kostenverteilung und die daraus resultierende Anreizstruktur. In der Branchendiskussion wird diese Dimension zu wenig beachtet.
Ist NAV nur ein anderes Wort für „laufende Provision“?
Nein. NAV beschreibt die Vergütungsbasis (Vertragsvermögen) und die zeitliche Bemessung (laufend). Der Versicherer zahlt die NAV-Vergütung als Provision an den Vermittler. Entscheidend ist: Die Vergütung ist an das Vermögen gekoppelt, nicht an den Abschluss.
Können laufende %Kosten in schlechten Marktphasen besonders weh tun?
Ja. In Drawdowns bleibt der Kostensatz gleich, obwohl das Vermögen sinkt — die relative Belastung steigt. Allerdings sinkt die absolute Gebühr mit dem Vermögen. Bei anfangsbelasteten Modellen hat der Kunde die Kosten bereits gezahlt und bekommt sie nicht zurück, egal was der Markt macht.
Ist NAV transparenter als Brutto?
Tendenziell ja, weil die laufende Kostenquote sichtbar und messbar ist. Aber Transparenz hängt vom Anbieter ab: Werden Effektivkosten (RIY) ausgewiesen? Sind Fondskosten (TER) separat aufgeführt? Die Struktur allein garantiert keine Transparenz.
Ist NAV für kleine Beiträge unfair?
Das hängt von der Gebührenstruktur ab. Reine %AUM-Kosten skalieren mit dem Vermögen und belasten kleine Beiträge nicht überproportional. Fixkosten pro Police wirken dagegen bei kleinen Beiträgen relativ hoch. Die konkrete Tarifgestaltung entscheidet.
Warum macht ihr keine Anbieterlisten?
Weil diese Website eine Struktur- und Aufklärungsseite ist, kein Vergleichsportal. Rankings würden unsere Neutralität untergraben und sind ohne einheitliche Datenbasis methodisch nicht verantwortbar.
Schafft NAV wirklich Interessengleichheit?
Ja, in eine bestimmte Richtung: Die Vergütung wächst mit dem Vertragsvermögen, also zeigen die wirtschaftlichen Anreize in dieselbe Richtung wie das Kundeninteresse. Aber die Interessengleichheit ist nicht perfekt. Es entsteht ein Anreiz, Vermögen im Vertrag zu halten — auch wenn dem Kunden eine Entnahme besser dienen würde. Kein Vergütungsmodell ist konfliktfrei.
Werden NAV-Tarife regulatorisch bevorzugt?
Nicht explizit. Aber IDD, VAG § 48a, § 25 VAG und § 1a VVG verlangen, dass Vergütungsstrukturen nicht gegen das Kundeninteresse wirken. NAV-Strukturen erzeugen strukturell weniger Compliance-Risiko, weil die Anreize mit dem Kundeninteresse übereinstimmen. Mehr dazu im Vergleich unter „Regulatorischer Kontext“.
Warum sind die NAV-Kosten am Ende der Laufzeit am höchsten — und warum ist das kein Nachteil?
Weil das Vertragsvermögen dann am größten ist. Die absoluten Gebühren steigen mit dem Vermögen. Aber genau in dieser Phase stehen die folgenschwersten Entscheidungen an: Ablaufmanagement (Umschichtung vor Rentenbeginn), Auszahlungsoptimierung (Kapitalabfindung vs. Verrentung, Halbeinkünfteverfahren) und ggf. Generationenplanung. Eine einzige falsche Entscheidung hier kann mehr kosten als Jahre kumulierter NAV-Gebühren. Bei anfangsbelasteten Modellen ist die Vergütung längst abgerechnet — niemand wird strukturell dafür bezahlt, diese Phase aktiv zu begleiten.