NAV Tarif — Kosten, Anreize und Interessengleichheit

NAV-basierte Tarife schaffen eine Anreizstruktur, bei der die Vergütung am Vertragsvermögen hängt. Das verändert, wer wann welches Interesse hat — und warum die reine Brutto-vs-Netto-Debatte im Lebengeschäft zu kurz greift.

Kernaussagen

  • Die zeitliche Kostenverteilung entscheidet über Anreize, und Anreize entscheiden über Beratungsqualität.
  • NAV ist eine Kosten- und Anreizarchitektur, keine Qualitätsaussage. Die konkrete Ausgestaltung zählt.

Wer verdient, wenn Ihr Vertragsvermögen wächst? Bei einem NAV-basierten Tarif ist die Antwort: alle Beteiligten. Die Kosteneinnahmen des Versicherers und die Vergütung des Vermittlers steigen mit dem Vertragsvermögen; der Kunde profitiert vom Vermögenswachstum. Das ist keine Nebeneigenschaft — es ist der strukturelle Kern.

Die Versicherungsbranche diskutiert Kosten seit Jahren entlang einer einzigen Achse: Brutto (Provision) oder Netto (Honorar). Im Sachgeschäft reicht das. Dort gibt es kein Vertragsvermögen, also auch keine vermögensabhängige Kostenlogik.

Bei kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen ist die Lage anders. Hier entsteht über die Laufzeit ein wachsendes Vertragsguthaben. Damit eröffnet sich eine dritte Möglichkeit: Kosten nicht anfangsbelastet über Abschlusskosten zu erheben, sondern laufend am Vermögen. Diese Struktur nennt sich NAV-basierter Tarif — und sie verändert, wer wann welches Interesse hat.

Scope: Diese Seite vergleicht Kostenstrukturen innerhalb fondsgebundener Lebens- und Rentenversicherungen. Sie beantwortet nicht die vorgelagerte Frage, ob ein Versicherungsmantel das richtige Vehikel ist. Für reinen Vermögensaufbau ohne Versicherungsbedarf können ETF-Sparpläne ohne separate Risikoabsicherung kostengünstiger sein. Betreiber dieser Seite ist die prosperity solutions AG, ein Marktakteur im NAV-Segment.

Warum die zeitliche Kostenverteilung über Anreize entscheidet

Bei anfangsbelasteten Modellen — ob Brutto mit Abschlusskosten in den ersten Jahren oder Netto mit vorgelagertem Honorar — fließt die Vergütung am Anfang. Danach besteht wenig finanzieller Grund, den Vertrag aktiv zu begleiten. In vielen Provisionsmodellen ist die Sofortprovision zwar mit einer laufenden Komponente kombiniert; der Schwerpunkt liegt aber typischerweise auf dem Abschluss.

NAV dreht diese Logik um. Die Vergütung wächst mit dem Vertragsvermögen, also hat jeder Beteiligte ein wirtschaftliches Interesse daran, dass es dem Vertrag gut geht: durch kluge Fondsauswahl, rechtzeitiges Rebalancing, aktive Beratung in Krisenzeiten. Die regulatorischen Anforderungen (IDD, VAG § 48a, § 25 VAG, § 1a VVG) verlangen, dass Vergütungsstrukturen nicht gegen das Kundeninteresse wirken. NAV erfüllt diese Anforderungen strukturell besser als anfangsbelastete Modelle, weil die Anreize mit dem Kundeninteresse übereinstimmen.

Im reinen Kostenvergleich unserer Modellrechnung liegt ein Netto-Modell bei 30 Jahren knapp vorne (ca. 1 % mehr Ablaufleistung); ein Brutto-Modell schneidet trotz niedrigerer kumulierter Kosten schlechter ab als NAV, weil die günstigere zeitliche Kostenverteilung den höheren laufenden Kostensatz überkompensiert. Die entscheidende Frage wird deshalb: Erzeugt die laufende Beratung, die durch die NAV-Vergütung honoriert wird, einen Mehrwert? In unserer Sensitivitätsanalyse genügen bei marktüblichen NAV-Sätzen (0,6–0,8 %) bereits wenige Basispunkte jährlicher Mehrrendite durch laufende Beratung, damit NAV auch das Netto-Ergebnis übertrifft. Die vollständige Herleitung mit Quellen und Einschränkungen steht in den Beispielrechnungen.

NAV macht die Kostenstruktur anreizkompatibel — und wenn aktiver Service stattfindet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bessere Ergebnisse erwirtschaftet werden können. Ohne laufende Betreuung degeneriert auch ein NAV-Modell zu einer Vergütung ohne Gegenwert.

Was diese Seite bietet

Wir halten die Brutto-vs-Netto-Debatte im Lebengeschäft für unvollständig. Die zeitliche Kostenverteilung und die daraus entstehende Anreizlogik werden systematisch übersehen. Diese Seite macht NAV als eigenständige Vergütungs- und Kostenstruktur greifbar — mit transparenten Annahmen, konkreten Szenarien und ehrlichen Einschränkungen.